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Herr Müller und die Sache mit dem Koffer

Kapitel 5: Sieben Minuten vor gestern

Herr Müller sah auf die Uhr. Der Minutenzeiger hatte sich soeben von 7:03 auf 7:02 bewegt. „Die Batterie ist kaputt“, stellte er fest. „Das ist mir lieber als jede andere Erklärung.“ Frau Schnabel schüttelte den Kopf. „Die Batterie funktioniert. Die Zeit macht Schwierigkeiten.“ Ferdinand rollte unter den Küchentisch, als könne ihn dort niemand finden. Der Kühlschrank meldete: NEUSTART IN SECHZIG SEKUNDEN. Müller überlegte, ob er das Gerät ausstecken sollte. „Nicht anfassen“, sagte Frau Schnabel. „Sonst verliert die Wohnung ihre Erinnerung.“

Das Telefon klingelte. Auf dem Display stand: HERR MÜLLER – GESTERN. Müller nahm ab. „Hier Müller.“ „Hier auch“, sagte seine eigene Stimme. „Hör zu. Öffne heute um 19:42 Uhr auf keinen Fall die Badezimmertür.“ „Warum nicht?“ „Weil ich dahinter bin und gerade versuche, meinem Spiegel zu erklären, dass ich kein Mittwoch bin.“ Die Leitung knackte. „Und trink keinen Kaffee mehr!“ Dann war das Gespräch beendet. Herr Müller legte den Hörer hin und beschloss, seinen nächsten Urlaub auf einem Planeten mit einfacheren Tagen zu verbringen.

„Die Venus wäre ungeeignet“, bemerkte Ferdinand. „Dort dauert eine Drehung um die eigene Achse länger als ein Umlauf um die Sonne.“ „Ich habe nicht um Reiseberatung gebeten!“ Frau Schnabel zeigte auf die Kaffeemaschine. „Die ist das Problem. Bei jedem Neustart speichert sie Ihre Erinnerungen, damit Sie die Zeitverschiebung nicht bemerken.“ „Warum?“ „Weil Sie das selbst so eingerichtet haben.“ Müller starrte sie an. „Ich kann nicht einmal meine Fernsehuhr stellen.“ „Das war nicht immer so“, sagte sie.

Der Kühlschrank begann zu zählen. FÜNF. VIER. DREI. Herr Müller griff aus Gewohnheit nach seiner Kaffeetasse. „Nicht!“, riefen Frau Schnabel und Ferdinand gleichzeitig. Er hatte bereits den letzten Schluck getrunken. Der Kühlschrank blinkte. VERSUCH NUMMER FÜNF BEGINNT. Das Licht ging aus. Als es wieder anging, war es 6:45 Uhr. Der Wecker klingelte. Und aus dem Wohnzimmer kam eine Stimme: „Guten Morgen, Müller. Diesmal machen wir es hoffentlich besser.“

Nächstes Mal: Ein Spiegel zeigt Herrn Müller jemanden, der ihm unangenehm ähnlich sieht.

Passend dazu: Wissen, das keiner braucht