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Herr Müller und die Sache mit dem Koffer

Kapitel 6: Der Mann im Badezimmerspiegel

Herr Müller steht vor dem Badezimmerspiegel, aus dem ihm sein grinsendes Spiegelbild zuzwinkert, während Ferdinand erschrocken daneben steht.

Beim fünften Dienstag stellte Herr Müller die Kaffeetasse unberührt in die Spüle. Die Maschine zeigte beleidigt eine rote Lampe. „Du kannst mich nicht mit einem Lämpchen erpressen“, sagte er. Aus dem Wohnzimmer kam ein anerkennendes Klappern. Ferdinand war zufrieden. Frau Schnabel hingegen betrachtete den Badezimmerspiegel, als hätte er ihr Geld geschuldet. „Wenn die Zeit wieder normal laufen soll, müssen wir zuerst herausfinden, wer die Neustarts auslöst.“ „Ich dachte, die Kaffeemaschine?“ „Die führt sie nur aus. Jemand anderes gibt die Befehle.“

Herr Müller ging ins Badezimmer. Sein Spiegelbild trug einen Bademantel, während er selbst einen grünen Pullover anhatte. „Das ist neu“, sagte Müller. „Für dich“, erwiderte das Spiegelbild. „Ich bin Herbert von morgen.“ Müller griff nach dem Rasierer, ließ ihn aber wieder liegen. „Wie viele von mir gibt es denn?“ „Mehr, als dem Finanzamt lieb wäre.“ Das Spiegelbild deutete auf Müllers linke Hand. Dort schimmerte ein kleines blaues Zeichen, das wie eine Sieben aussah. „Das ist deine alte Dienstmarkierung.“

„Ich habe keinen Dienst“, sagte Müller. „Du hattest ihn. Du hast ihn nur vergessen.“ Im Flur klingelte es. Ferdinand rief: „Müller! Besuch von der Personalabteilung!“ „Ich möchte niemanden sehen!“ „Er ist ein Oktopus!“ Müller blickte sein Spiegelbild an. „Ist das eine Metapher?“ „Leider nicht. Und er hat drei Herzen, also genügend Ausdauer für unangenehme Gespräche.“ Das Spiegelbild hob die Hand. Hinter ihm erschien eine Tür mit der Aufschrift ABTEILUNG 7. „Wenn du dich erinnerst, kannst du sie öffnen“, sagte es.

Auf dem Spiegel erschienen weitere Worte: BITTE MELDEN SIE SICH UMGEHEND. HANDTÜCHER SIND MITZUBRINGEN. Herr Müller nahm ein Handtuch vom Haken. „Warum das?“ „Vorschrift“, sagte sein zukünftiges Ich. Dann verschwand es, und Müller sah wieder nur sich selbst. Er war blasser als zuvor. Aus dem Wohnzimmer erklang eine höfliche, etwas feuchte Stimme: „Herr Müller? Dr. Otto Achtarm. Ich hoffe, Sie haben Ihren Lebenslauf dabei.“

Nächstes Mal: Ein ungewöhnlicher Personalchef legt eine sehr alte Fotografie auf den Tisch.

Passend dazu: Wissen, das keiner braucht